BREISACH
(kff). "Wir müssen uns nicht um die Probleme kümmern,
die die Jugendlichen machen, sondern um die, die sie haben", unterstrich
SPD-Landtagsabgeordneter Christoph Bayer bei einem Gespräch mit
Mitarbeitern der Mobilen Jugendsozialarbeit aus Breisach, Schallstadt
und Ehrenkirchen sowie Jugendsachbearbeiter Klaus Keitz vom Polizeirevier
Breisach.
Seine
Visite in der Münsterstadt hatte der Politiker zum Anlass genommen,
sich über aktuelle Probleme der Jugendsozialarbeit in der Regio
zu informieren. Erst kürzlich hatte Bayer in einer Presseerklärung
die vorgesehenen Kürzungen der Landesförderung für die
Mobile Jugendarbeit beklagt.
Breisachs
Streetworker Willi Ingenhoven und seine beiden Kollegen Andrea Keller
(Ehrenkirchen) und Markus Wenberg (Schallstadt) unterrichteten den Bayer
über die Situation in diesem Bereich der Jugendarbeit, dessen Wirksamkeit
im ländlichen Raum unter fehlenden Strukturen leide. Durch diesen
Mangel würden sich die Aufgaben der Mobilen Jugendarbeit nicht
klar definieren lassen, kritisierte Ingenhoven. Dabei sei sie im Landkreis
Breisach-Hochschwarzwald recht gut verankert. "Aufgrund des Rückgangs
der Rückläufigkeit der stationären Jugendarbeit in den
Kreisgemeinden wachsen die Aufgaben der Mobilen Jugendsozialarbeit,
deshalb ist eine effektive Struktur erforderlich", stellte Bayer
fest und begründete damit seine Kritik an den vorgesehenen Kürzungen
der Landesförderung. Klaus Keitz von der Breisacher Polizei lobte
das bewährte Netzwerk der Jugendhilfe in Breisach und bestätigte
die erhebliche Zunahme des Beratungsbedarfs, den Jugendliche sowie deren
Eltern auch bei den Polizisten suchten.
Auf
Grund anderer Aufgaben könnten die beiden mit der Jugendarbeit
betrauten Beamten des Breisacher Reviers diesen Beratungswünschen
jedoch nur bedingt nachkommen. Einrichtungen der Erzierungsberatung
und der sozialpädagogischen Familienhilfe könnten wegen räumlicher
Entfernung und personeller Unterbesetzung oftmals nicht zeitnah auf
die Bedürfnisse ratungswünsche der Klienten reagieren, erläuterte
Keitz.
"Eltern
suchen Hilfe, die sie nicht bekommen", konstatierte Bayer und forderte
eine stärkere Dezentralisierung der sozialen Beratungsdienste.
Die Mittel, die für die Jugendsozialarbeit zur Verfügung stehen,
seien zwar ausreichend, ihre Verwendung sollte aber verbessert werden,
meinte der SPD-Politiker. Wird die Landesförderung zurückgefahren,
befürchtet Bayer, dass Mobile Soziale Jugendarbeit nicht nach Bedarf,
sondern nach Kassenlage der einzelnen Gemeinden geleistet werde. Betroffenen
Jugendlichen sei damit wenig geholfen.
Dass
der Hilfebedarf für benachteiligte Jugendliche anwachse, führten
alle drei Jugendsozialarbeiter auf verschärfte wirtschaftliche
und soziale Bedingungen zurück, unter denen viele Familien mit
Kindern zu leiden hätten. Auch Wohlstandsverwahrlosung sei ein
immer stärker auftretendes Problem, mit dem es die Mobile Soziale
Jugendarbeit zu tun habe.Beratungsdienste
sollten dezentralisiert werden
Vor dem Gespräch im Breisacher Polizeirevier hatte Bayer in der
Europastadt das Martin-Schongauer-Gymnasium und die Julius-Leber-Schule
besucht.Von
Schulleitungen und Elternvertretern ließ er sich über aktuelle
Probleme wie fehlenden Vertretungslehrer im Martin-Schongauer-Gymnasium
und die Umstellung auf die Werkrealschule an der Julius-Leber-Schule
informieren.
Veröffentlicht
in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung am 01. März 2010
von: Kai Kricheldorff
http://www.badische-zeitung.de/breisach/die-mobile-jugendsozialarbeit-braucht-neue-strukturen